Das deutsche Nachriegssyndrom

Wenn heute von einer Posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen wird, dann ist das in Zusammenhang mit Krieg immer auf aktuelle Auseinandersetzungen gemeint und reicht selten weiter zurück als bis in den Vietnamkrieg. Auch ist die betroffene Gruppe meistens die der Soldaten.

Es gibt in Deutschland aber auch viele Menschen, die zwar den Krieg erlebt haben, aber zu jung waren, um selbst Soldat zu sein. Die Generation der über 60-jährigen deutschen Männer und Frauen hat als Kinder zumindest die letzten Kriegsjahre erlebt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass etwa 12 Prozent dieser Altersgruppe an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen.

Die Auslöser dieser Traumata waren unterschiedlich. Zum einen ist da die Gruppe der Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Sie mussten Hals über Kopf ihre Häuser verlassen und sich auf eine lange beschwerliche Reise begeben, und nicht wenige Familien wurden bei der Flucht auch getrennt. Außerdem haben viele die Kriegsgreuel wie Erschießungen und Vergewaltigungen in ihrer Heimat erleben müssen.

Folgen reichen vom Rheuma bis Depressionen

Eine andere Gruppe sind jene, die als Kind die kriegerischen Auseinandersetzungen miterlebt haben vor allem die Bombardierungen. Ganz oben auf der Liste stehen jene die in deutschen Großstädten wie Dresden oder Köln wohnten und zahllose Bombennächte erlebten.

Aber auch Bürger die selbst keine Kriegshandlungen erlebten, konnten betroffen sein. So haben viele ihren Bruder, Partner oder Verwandten im Krieg verloren. Durch die immer schlechter werdende Versorgung litten auch viele Kinder in den letzten Kriegsjahren an Hunger und Mangelernährung.

Heute äußert sich das PTSB bei dieser Bevölkerungsgruppe unterschiedlich. Bei einigen sind Herz-Kreislauferkrankungen festzustellen, andere haben Rheuma. Sehr auffällig sind Schlafstörungen, aber auch sozialer Rückzug und Depressionen. Man geht davon aus, das die Mehrzahl der über 60-jährigen zumindest ein traumatisches Erlebnis in den Kriegs- und den Nachkriegsjahren hat. Denn auch nach dem offiziellen Ende des Kriegs gab es noch Erlebnisse, die damit zusammenhängen, wie Rückkehr in zerbombte Städte, Leichen am Wegesrand oder der Verlust der Familie.