Das Problem der alten Kameraden

Es gibt eine biologische Lösung des Problems, aber die Schatten der Vergangenheit sind nicht einfach wegzuwischen. Die Kameradschaften von Soldaten der Waffen-SS aus dem Zweiten Weltkrieg sterben zwar langsam aber sicher aus, aber das Gedankengut hat sich dennoch gehalten.

Bei der Bundeswehr ist man sich des Problems bewusst, dass Kameradschaft auch einen historischen Beigeschmack haben. Man kann sich nur all zu gut an den Soldatenverband erinnern der versuchte alle Wehrmachtssoldaten mit einer Generalamnestie von aller Schuld freizusprechen. Eine der Hauptargumente war, dass die Soldaten Befehlsempfänger waren.

Viele Kameradschaften versuchen, den Druck und Stresse aus Einsätzen in der Gruppe zu verarbeiten. Sie geben den Soldaten Halt, auch untereinander. Oft wird von der eingeschworenen Gemeinschaft gesprochen, und die Kameradschaft und der Zusammenhalt sind oft das höchste Gut.

Leider kollidierte diese Vorstellung in manchen Ausprägungen auch mit der Idee des Staatsbürgers in Uniform. Der Soldat hat damit die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder Bürger, er steht nicht über dem Gesetz oder außerhalb des Gesetzes. Genau das aber wollten die alten Kameraden der Waffen-SS (und mancher anderer Waffeneinheiten) nicht einsehen.

Vielen ist noch in Erinnerung, wie der Fliegerheld Oberst Rudel beerdigt wurde: Oben im Himmel flogen Jets der Bundeswehr zum Abschied, unten auf der Erde verabschiedeten sich seine Fans mit dem Hitlergruß. Viele der alten Vorbilder leben nicht mehr, aber ihre Todestage werden gefeiert und ihre Gräber sind für manche Leute zu Wallfahrtsstätten geworden.

Die moderne Bundeswehr hat immer wieder versucht, den Begriff der Kameradschaft positiv zu besetzen, als eine Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaft, die auch Teil der Gesellschaft ist. Man hat aus der Geschichte gelernt und weiß, die groß die Gefahr ist, wenn Militärs sich von Rest des Staatswesens loslösen und nicht mehr kontrolliert werden können. Auch in anderen westlichen Ländern ist übrigens der Einfluss des Militärs immer wieder gefürchtet, und noch mehr die alten Seilschaften in den rechten Kameradschaften.

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