Schwächen Skandale die Bundeswehr?

Keine Organisation, die so groß ist wie die Bundeswehr kann Skandale vermeiden. Dafür sind einfach zu viele Menschen beteiligt und Menschen machen Fehler. Bei der Bundeswehr wiegen Fehler aber schwer, wenn sie an die Öffentlichkeit kommen und vor allem Dinge wie Menschenrechte betreffen.

In einem Aufsatz für die FAZ hat der Wissenschaftler Professor Dr. Stefan Kühl sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Kameradschaft in der Bundeswehr (und auch anderen Armeen) funktioniert und wie Skandale diese mittelfristig untergraben können.

Kameradschaft ist wie Kollegialität etwas, dass große Organisationen auch über Abteilungsgrenzen und Regeln zusammenhalten kann. Im Zweiten Weltkrieg war es weniger die Ideologie als die Kameradschaft, die die Soldaten nach Russland ziehen ließ. In Vietnam bestellten Offiziere mehr Material als benötigt, um kleine Depots für die Kameraden anzulegen, statt im Ernstfall einen Antrag auch Nachschub stellen zu müssen. Kameradschaft hilft, mit Regelverstößen umzugehen und Ziele zu verfolgen, auch wenn man nicht inhaltlich hinter diesen steht.

Skandale können auf die Bundeswehr zwei Auswirkungen haben: Sie können zum einen die Gemeinschaft stärken, weil man sich versucht gemeinsam gegen eine öffentliche Meinung zu stellen und die Gruppe (und Truppe ) zu verteidigen. Sie bringen aber oft als Folge eine Verregelung von Abläufen mit, die Schaden kann. Dann nämlich wenn Soldaten mehr damit beschäftigt sind, Regeln und Prozesse zu befolgen (und vor allem zu vermeiden, bei Verstößen erwischt zu werden). Gerade die Meldepflicht selbst kleinster Verstöße über Ränge hinweg kann zu einem Klima führen in dem kein Soldat mehr dem anderen traut. Und das wäre dann auch das Ende aller Kameradschaft.

Wissenschaftler Kühl befürchtet, dass ein Schwerpunkt auf Compliance in der Bundeswehr auch Machtverhältnisse verschieben kann. Die Überwacher bekommen einen größeren Einfluss als die bisherigen Entscheider, und die Überwachung wird als wichtiger angesehen als die eigentlichen Verteidigungspolitischen Ziele. Und: Der Feind neigt in der Regel dazu, sich nicht an die Regeln zu halten.

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